Staudenknöterich bekämpfen
Bezeichnungen
Die wissenschaftliche Bezeichnung des Japanischen Staudenknöterichs lautet „Fallopia japonica“. Daneben gibt es Synonyme wie zum Beispiel „Reynoutria japonica“ und „Polygonum cuspidatum“. Häufig wird die Kurzform „Japanknöterich“ verwendet, aber auch Begriffe wie „Kamtschatka-Knöterich“ oder „Riesenstaudenknöterich“.
Verwandte
Der Japanische Staudenknöterich weist große Ähnlichkeiten mit dem selteneren Sachalin-Staudenknöterich (Fallopia sachalinensis) auf. Dessen Name beruht auf seiner Herkunft von der Insel Sachalin. Er wächst noch höher als der Japanische Staudenknöterich und hat größere Blätter. Am einfachsten kann man sie an der Blattbehaarung unterscheiden. Im Gegensatz zum Japanischen Staudenknöterich weist der Sachalin-Staudenknöterich eine deutliche Behaarung an der Blattunterseite auf.
Darüber hinaus gibt es Hybride, welche zum Beispiel als Bastard-Staudenknöterich oder Böhmischer Staudenknöterich bezeichnet werden. Sie entstanden wahrscheinlich erst in jüngerer Zeit in Europa durch Kreuzung des Sachalin- und des Japanischen Staudenknöterich bzw. durch Rückkreuzungen der Hybride mit den Elternarten. Typisch für die Hybride ist eine Behaarung der Blattadern.
Neben den Wildtypen existieren Züchtungen wie Igniscum. Durch ihre Standorttreue soll sich diese Variante weniger stark ausbreiten. Dennoch sollte der gewerbliche Anbau kritisch betrachtet werden. Der wirtschaftliche Nutzen, zum Beispiel zur Energiegewinnung, ist mindestens umstritten.
Herkunft
Wie der Name schon erahnen lässt, stammt die Spezies ursprünglich aus dem asiatischen Raum und kommt z. B. in Japan, Korea, China und Taiwan vor. In vielen heutigen Verbreitungsgebieten, so auch im deutschsprachigen Raum, handelt es sich um eine eingeschleppte Art, einen sogenannten Neophyten. Der äußerst invasive Japanische Staudenknöterich wird sogar den 100 gefährlichsten Neobiota der Welt zugerechnet.
Geschichte
Sowohl der Japanische als auch der Sachalin-Staudenknöterich wurden im 19. Jahrhundert gezielt nach Europa eingeführt. Man versprach sich einen Nutzen zur Begrünung von Böschungen, als Futterpflanze für Rotwild im Forst, als Deckungspflanze für Fasane oder als herbstliche Bienenweide. Der Staudenknöterich erwies sich jedoch als überwiegend ungeeignet für diese Pläne. Heute findet man ihn zum Beispiel noch als Zierpflanze oder Sichtschutz in Gärten.
Beschreibung
Der Japanische Staudenknöterich bildet dicht aneinandergereihte, röhrenförmige Stängel mit einer Wuchshöhe von bis zu 4 Meter, die eine gewisse Ähnlichkeit mit Bambus aufweisen. Die großen, wechselständigen Laubblätter können den darunter liegenden Boden nahezu vollständig beschatten. Der Staudenknöterich bildet unterirdische Rhizome als Speicherorgane sowie zur lateralen Ausbreitung. Es wurden Wurzeln in bis zu 7 Meter Tiefe lokalisiert. Im Winterhalbjahr ist der Oberboden im Bereich von gut etabliertem Staudenknöterich quasi blank. Im Frühjahr treiben an den Köpfen der Erdkriechsprossen neue Stängel, die bis zu 30 Zentimeter täglich aufwachsen können. Im Hochsommer neigen sich die ausgewachsenen Stängel schräg bis waagerecht. Ab August bilden sich weißliche Blütenstände. Zum Jahresende hin welken die Blätter, und beim ersten Frost sterben die oberirdischen Teile ab. Das Rhizom überlebt den Winter problemlos und schlägt im darauffolgenden Frühjahr erneut aus.
Vorkommen
Der Japanische Staudenknöterich ist relativ anspruchslos und kann fast überall sein wucherndes Wachstum entfalten. Man findet ihn bis auf ca. 1.500 Meter über NHN. Er mag es kalkarm und feucht. Zeitweise Überflutungen machen ihm nicht viel aus, dauerhaft nasse Füße mag er hingegen weniger. So kann man zum Beispiel an Binnengewässern mit regelmäßigen Pegelschwankungen von mehreren Metern sehr gut beobachten, dass der Knöterich den Hub-Bereich meidet und nur oberhalb der höchsten Pegel wächst. Dies ist zum Beispiel typisch für die Elbe mit ihren deutlichen saisonalen Pegelunterschieden und die Weser mit ihrem starken Tidenhub.
Vermehrung
In Europa ist der Japanische Staudenknöterich ein Neophyt. Hier dominiert die klonale Vermehrung, was teils zu riesigen, genetisch identischen Beständen führt. Die generative Vermehrung über Samen spielt hingegen eine untergeordnete Rolle, da bei uns fast nur weibliche Pflanzen vorkommen und keine keimfähigen Samen gebildet werden.
Der Staudenknöterich bildet ein dichtes Geflecht sogenannter Rhizome aus; dabei handelt es sich um Erdkriechsprossen, welche durch laterale Ausbreitung rasch neue Lebensräume erschließen können. Bereits winzige Rhizomteile genügen zur Bildung neuer Bestände. Aber auch Sprossteile, insbesondere aus dem unteren Bereich, können an jedem Knoten bewurzeln, sofern die Umgebungsbedingungen hierfür geeignet sind.
Nutzung
Wie bereits im Abschnitt „Geschichte“ beschrieben, erwiesen sich die meisten Träume zur Nutzung des Staudenknöterichs als Schäume. Im asiatischen Raum gilt er als Heilpflanze, wahrscheinlich da er eine gute Resveratrol-Quelle darstellt. Dieser organischen Verbindung werden therapeutische Wirkungen nachgesagt. Als Tee wird eine ähnliche Konzentration des Stoffes wie in Rotwein beschrieben.
Junge Sprosse, etwa bis Spargel-Größe, können zum Beispiel wie dieser zubereitet und verzehrt werden. In China und Japan wird die Wurzel medizinisch verwendet. Manche Quellen behaupten, man könne sehr junge Triebe auch roh essen. Es werden jedoch Schwermetall-Belastungen beschrieben, siehe Abschnitt „Giftigkeit“.
Singvögel
Verschiedene Publikationen beschreiben den Staudenknöterich als Neststandort für Singvögel. Hierauf ist bei der Bekämpfung in jedem Falle Rücksicht zu nehmen. Ein generelles Bekämpfungsverbot während der Brutzeit dürfte den Wunschvorstellungen selbsternannter Naturschützer entstammen, welche bei der erforderlichen Abwägung offenbar das ökologische Schadpotenzial des Knöterichs massiv unterschätzen. Ein absolutes Verbot wäre nur dann gerechtfertigt, wenn geschützte Tierarten unmittelbar gefährdet werden.
Laut Bundesnaturschutzgesetz § 39 ist es verboten, wild lebende Tiere mutwillig zu beunruhigen oder ihre Lebensstätten ohne vernünftigen Grund zu zerstören. Bei nachweislichem Bestand von Nestern dürfen Bekämpfungsmaßnahmen die Tiere dementsprechend weder stören noch schädigen.
Giftigkeit
Der Japanische Staudenknöterich ist an sich ungiftig. Vorsicht ist dennoch geboten. Es gibt Hinweise, dass die Pflanze beispielsweise Schwermetalle aus belasteten Böden anreichert, welche bei Verzehr in den Körper gelangen und gesundheitliche Schäden verursachen können.
Schäden
Der Japanische Staudenknöterich besitzt ein enormes Schadpotenzial. Dies betrifft unter anderem die Bodenbeschaffenheit, Biodiversität, Bodenerosion, Überflutungsgefahr, Sicherheitsprobleme und Bauschäden. Es gibt Hinweise, dass seine Wurzeln in der Lage sind, die Stickstoffverfügbarkeit für konkurrierende Pflanzen zu reduzieren. Er dominiert und verdrängt nachhaltig die heimische Flora, nebst Auswirkungen auf Fauna und Mesofauna. Da bei dominanten Beständen der Oberboden etwa die Hälfte des Jahres blank liegt, kommt es zu verstärkten Ausspülungen bis hin zur Destabilisierung ganzer Ufer- oder sonstiger Böschungsbereiche. Mittlerweile führen manche Bestände zu Verkehrssicherheits-Problemen aufgrund eingeschränkter Einsehbarkeit von Verkehrswegen. Die Rhizome können Beton und Asphalt schädigen und teilweise sogar durchdringen. Betroffene Bauwerke sind teilweise nicht mehr versicherbar.
Regulierung
Der Umgang mit der Problempflanze könnte unterschiedlicher nicht sein. Allerdings ist die Situation dynamisch. Bis zum Redaktionsschluss lagen beispielsweise die folgenden Erkenntnisse vor:
- In der Schweiz und in Großbritannien sind offenbar der Verkauf, die Vermehrung, die Anpflanzung und die Duldung von Japanischem Staudenknöterich verboten.
- Auf der europäischen Unionsliste invasiver Arten ist der Staudenknöterich hingegen nicht aufgeführt.
- In Deutschland gibt es, zumindest den Siedlungsraum betreffend, keine gesetzlichen Verbote von Staudenknöterich. Er ist nach wie vor als Gartenpflanze erhältlich, wenngleich der Zentralverband Gartenbau den Verzicht empfiehlt. Das Bundesnaturschutzgesetz verbietet allerdings allgemein die Anpflanzung nicht heimischer Arten in der freien Natur.
Das Bundesamt für Naturschutz hat den Japanischen Staudenknöterich in seine nationale „Schwarze Liste“ aufgenommen. Aufgrund seiner Verbreitung steht er jedoch nicht mehr in der Aktionsliste zur Früherkennung und Sofortmaßnahmen. Die Art wird unter „Management“ geführt, da dem Ministerium (noch) keine erfolgsversprechenden Maßnahmen bekannt sind bzw. das Vorkommen schon so großräumig geworden ist, dass Maßnahmen nur in Einzelfällen sinnvoll sind.
Falsche Bekämpfung
Alle gebräuchlichen Bekämpfungs-Methoden haben eine Gemeinsamkeit: Sie sind nicht geeignet, den Staudenknöterich auszurotten. Einige dieser Verfahren haben eine weitere, äußerst tückische Eigenschaft. Sie veranlassen die Pflanze zu einer schnelleren Ausbreitung und führen so zu einem noch höheren Bekämpfungsaufwand.
Der Staudenknöterich erkennt, wenn er mehrfach abgemäht oder dauerhaft abgedeckt wird, sehr schnell die offenbar verschlechterten Umgebungsbedingungen. Er reagiert darauf, indem er nach neuen Lebensräumen sucht. Zu diesem Zweck treibt die Pflanze ihre Kriechsprossen mit hoher Geschwindigkeit in die Umgebung und „erkundet“ die Verhältnisse in der Nachbarschaft.
Wo der Knöterich bessere Bedingungen findet, bildet er rasch neue, dichte Bestände. Andernfalls „sucht“ er weiter. Da die neuen Triebe nach der Mahd schwächer wirken als die alten, gewinnt mancher den Eindruck einer erfolgreichen Zurückdrängung. Doch dieser Eindruck täuscht, denn das wahre Problem wächst unsichtbar unter der Erde – jetzt erst recht.
Richtige Bekämpfung
Es ist notwendig, die Wurzeln des Staudenknöterichs zu zerstören. Elektrischer Strom kann durch die natürlichen Leitsysteme der Pflanze fließen und beliebig tief eindringen. Die speziellen Strom-Formen der Nanoweed®-Technologie zerstören gezielt die Wurzelzellen. Der Staudenknöterich stirbt endgültig ab und treibt nicht erneut aus.
Keine andere Methode besitzt die nötige Wirkungstiefe.
Nach der Strombehandlung können alle Pflanzenteile am besten vor Ort verbleiben. Überlassen Sie sie einfach der natürlichen Zersetzung. So entstehen nicht nur der geringste Aufwand und die wenigsten Kosten – Sie vermeiden auch das Risiko der unbeabsichtigten Verschleppung, eines der wichtigsten Ausbreitungswege des Staudenknöterichs. Im Idealfall beginnt man die Strombehandlung, wenn die Triebe noch relativ klein sind. Lange Triebe können umknicken und den Menschen berühren. Dies könnte, bei laufender Behandlung, zu einem Stromschlag führen. Daher sind lange Triebe zunächst auf ein ungefährliches Maß zu kürzen. Abgeschnittene Pflanzenteile lässt man am besten einige Wochen austrocknen und kompostiert sie, nachdem sie zweifelsfrei abgestorben sind.
Einhegung
Was tun, wenn der Staudenknöterich bekämpft werden soll, aber (noch) keine Wurzel-Killer-Elektrolanze zur Verfügung steht? Die Lösung dürfte für viele Betroffene überraschend sein: am besten erstmal gar nichts! Warum ist dies das Beste?
- Erstens: Weil ein ungestörter Bestand in der Regel eine relativ geringe Ausbreitungsgeschwindigkeit aufweist.
- Zweitens: Weil sich ein ungestörter Bestand viel leichter vernichten lässt als einer, der „provoziert“ wurde.
- Und drittens: Weil Abwarten eindeutig eine recht kostengünstige Option ist.
Aber es gibt Ausnahmen, in denen Handlungsbedarf besteht. Ein typischer Fall ist der, dass sich der Staudenknöterich in Richtung einer Grundstücksgrenze ausbreitet. Hat er sie einmal überschritten, dann wird es meist sehr schwer, ihn auszurotten. Häufig können sich benachbarte Grundstückseigentümer nicht auf einen gemeinsamen Bekämpfungsplan einigen. Dann kann der Knöterich bis in alle Ewigkeit zwischen den Grundstücken hin und her wandern.
Wenn Sie unmittelbaren Handlungsbedarf sehen, gehen Sie am besten wie folgt vor. Zunächst markieren Sie die Lage des aktuellen Bestandes dauerhaft, zum Beispiel mittels einer witterungsfesten Absteckung. Dies ist ab sofort ein Habitat, in welchem der Staudenknöterich vollkommen ungestört wachsen darf!
Um das Habitat herum mähen Sie im Sommerhalbjahr regelmäßig, möglichst genau an der immer gleichen Grenzlinie entlang. Je häufiger Sie mähen, umso besser. Innerhalb der abgesteckten Grenzen des Habitats dürfen Sie den Staudenknöterich niemals (wieder) mähen, sondern nur außerhalb.
Tatsächlich haben Sie bei konsequenter Umsetzung dieser Strategie eine sehr große Chance, dass der Staudenknöterich die „zugewiesene“ Fläche als seinen Lebensraum „akzeptiert“ und sich nicht weiter in die Umgebung ausbreitet. Außerdem lässt sich dieser „unberührte“ Bestand später wesentlich leichter mit Strom bekämpfen, als wenn Sie gutgemeinte Bekämpfungsversuche unternehmen. Glauben Sie uns: Das spart Zeit, Geld und Nerven.
Transport
Jeglicher Transport von Pflanzenteilen des Staudenknöterichs birgt die Gefahr der Fragment-Verschleppung, sei es nun beim Transport von kontaminiertem Aushub, beim Abtransport von Schnittgut, oder als Anhaftung an Fahrzeugen, Maschinen, Geräten und Werkzeugen (z. B. Mähwerke, Mulcher, Häcksler, Motorsensen).
Der unbeabsichtigte Transport durch den Menschen stellt heute einen der Hauptverbreitungswege des Staudenknöterichs dar. Für die Entstehung eines neuen Befalls genügt bereits ein Rhizomfragment mit einem Gewicht von nur 0,06 Gramm! Wirksame Hygienemaßnahmen sind eher theoretischer Natur und in der Praxis, auch aufgrund von Kostendruck, kaum umzusetzen. Häufig besteht die beste Option darin, den Knöterich dort zu belassen, wo er ist.
Entsorgung
Auf keinen Fall dürfen Pflanzenteile oder kontaminierter Erdaushub kompostiert oder in die freie Landschaft gegeben werden. Mit Blick auf die Verbreitungsrisiken beim Transport, die anfallenden Kosten sowie die schlechte Umweltbilanz muss die häufig empfohlene thermische Behandlung/Verbrennung (z. B. durch Entsorgung über den Restmüll) kritisch gesehen werden.
Eine sehr einfache, kostengünstige und sichere Möglichkeit besteht darin, abgetrennte oberirdische Pflanzenteile einige Wochen an der Luft zu trocknen. Sie verlieren schnell ihre Vitalität und können, nachdem sie braun geworden sind, der natürlichen Zersetzung überlassen bzw. zugeführt werden. Sofern möglich sollten die Pflanzenteile auf einem geeigneten Untergrund gelagert werden; hierfür genügt z. B. eine Betonfläche. Die Pflanzenteile sollten nicht zu hoch gestapelt werden, so dass sie vollständig gut belüftet sind. In diesem Sinne eignen sich natürlich auch Gitterboxen hervorragend für die Trocknung, sofern verfügbar. Eine Überdachung ist unnötig; zwischenzeitliche Befeuchtung durch Niederschläge hemmt das Absterben der Pflanzenteile in der Regel nur geringfügig.
Die unteren Teile der Stängel sind zwar prinzipiell in der Lage Wurzeln zu treiben, jedoch spielt dies in der Praxis keine große Rolle. Wenn es an geeigneten Lagerflächen (wie oben beschrieben) mangelt, kann man abgetrennte Stängel auch einfach an Ort und Stelle belassen. Meist haben sie keinen direkten Bodenkontakt, da die eigenen Blätter bzw. der Bodenbewuchs dies verhindern. Erfahrungsgemäß vertrocknen sie zügig ohne anzuwurzeln, sofern sie lose liegen und nicht zu (schlecht durchlüfteten) Haufen aufgeschichtet werden. Sie zersetzen sich dann auf natürliche Weise, so wie es die Stängel und Blätter des Staudenknöterichs jedes Jahr aufs Neue tun.
